Zusammen mit dem Forschungszentrum ICCAS der medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und dem Dresdner Unternehmen voice INTER connect GmbH entwickelten wir im Rahmen des Forschungsprojektes ‚MPM - Modelle für die Personalisierte Medizin‘ den Demonstratoranwendung, welche ärztliches Fachpersonal bei Therapieentscheidungen in der Krebsbehandlung unterstützen soll.
Das Innovationszentrum für Computerassistierte Chirurgie (ICCAS) entwickelt computergestützte, integrative Technologien und intelligente Assistenzsysteme für künftige klinische Anwendungen. Das gemeinsame Forschungsprojekt, welches im Forschungsbereich ‚Modellbasierte Medizin und intelligenter Operationssaal‘ angesiedelt ist, beinhaltete Konzeption und Umsetzung einer Assistenzsoftware für personalisierte Therapieentscheidungen im Tumorboard.
In die interdisziplinäre Fallkonferenz in der Krebstherapie gehen unterschiedliche Informationen ein: Daten der Erkrankten und Laborwerte, Bilddaten sowie Informationen über die Lebensumstände. Basierend auf medizinischen Daten und Studien, geltenden Behandlungsrichtlinien sowie Erfahrungswerten legt die Fachärzteschaft verschiedener Bereiche die jeweils beste Therapiemöglichkeit fest. Die Expert:innen tauschen sich darüber aus und protokollieren ihre Entscheidung für die Therapie. Dies dauert wenige Minuten, dann wird der nächste Fall besprochen.
Hier setzt unsere Anwendung an: Sie soll einen reibungslosen, schnellen Ablauf der Besprechung unterstützen. Dafür ist eine möglichst lückenlose Verfügbarkeit relevanter, situativ erforderlicher Informationen essenziell. Auch dürfen in der Vielzahl der Daten entscheidende Fakten nicht übersehen werden.
Im Rahmen des Projektes entwickelten wir ein Softwareframework für ein formalisiertes Visualisierungsdesign, auf dessen Basis die Assistenzanwendung für das Tumorboard entstand. Das schlichte und multimodal gestaltete Interface der Anwendung mit intuitiver Suchfunktion erleichtert das schnelle, zielgerichtete Auffinden relevanter Daten. Die Nutzer:innen interagieren vornehmlich mittels Sprache. Gestaltungskomponenten sind klar eingeordnet, die Steuerelemente reduziert und redundant zur Sprachsteuerung. Für die Sprachinteraktion entwickelte die voice INTER connect GmbH eine Sprachauswertung, deren Ergebnisse wir für die Anzeige der Informationen nutzten. Außerdem kommt der bewusst sparsame Einsatz dekorativer Bausteine der Diversität der Inhalte entgegen. Es sind sowohl Daten zur Person und aus Untersuchungen als auch aus Studien und vergleichbaren Fällen verfügbar, die aus verschiedenen Systemen und Datenbanken abgerufen werden.
Dank der Anwendung können Fachleute im Tumorboard die Patientenbehandlung schnell und effektiv besprechen. Dies ist dem hohen Durchlauf während eines Tumorboards zuträglich. Den fertigen Demonstrator durften wir schließlich einer Gruppe aus Fachärzt:innen und Projektbeteiligten vorstellen.
Wir sind gespannt auf den künftigen Einsatz der Assistenzsoftware und freuen uns über den Input, den dieser tiefe Exkurs in die medizinische Forschungsarbeit und die nutzerfreundliche Sprachsteuerung gebracht haben.